Die
Montagswerkstättler treffen sich weiterhin, doch sie finden nicht die Zeit zu
Auftritten in der Öffentlichkeit, zumal durch ein großes Angebot an Lesungen
das Interesse an solchen Veranstaltungen geschwunden ist und Aufwand und
Ergebnis in keinem Verhältnis zueinander stehen. Auch die Presse ist nicht mehr
interessiert an unspektakulären Ereignissen von alltäglichen Menschen. Sie
berichtet eher über Events und glamouröse Auftritte.
Aber
wir schaffen es, 1998 wieder eine Anthologie zu gestalten. Endlich erleben die
neuen Mitglieder den aufregenden Prozess von der ersten flüchtigen Notiz bis
hin zum gedruckten Buch mit. Die Eigenaktivität der Autoren ist noch stärker
gefragt als früher. Doch so wird das Projekt zur Herzensangelegenheit und im
Dezember erscheint „Aus dem Rosenwarm der Feder“. Neu in der Runde ist Frau
Nagl, deren Gedichte sich meist nicht beim ersten Hören erschließen, aber
mittlerweile für die Gruppe immer eine Bereicherung darstellen. So wird eines
von ihnen Prolog zur Anthologie und eine Zeile daraus zum Titel:
Gedanken
entbinden sich der Schwere
Tauchen
aus dem Rosenwarm die Feder
Und
fliegen nach dem Licht der tausend Sonnen
Kehren
wieder, wenn die Nacht das Brombeerblatt färbt.
Weitere
Kostproben aus dem Buch:
Ruth
Brückner, Moskau
Inge
Werr, Die Prozession
Brigitta
Scherleitner, Sowas!
Wenig
beachtet aber nicht weniger intensiv setzt die Gruppe ihre monatlichen Treffen
und die inhaltliche Arbeit in aller Stille in der Seidl Villa fort.
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