Und so ging's weiter
Von
dem Erfolg beflügelt, wurde der Senioren Buch-Verlag, die Buchreihe der
SeniorenZeitung München, gegründet, der schon 1983 die nächste Anthologie „Nicht
müde werden“ herausgab*). Diesmal schrieb Professor Dr. Ursula Lehr, die damals führende
deutsche Gerontologin, das Vorwort. „Der Ruhestand ist heutzutage nicht zum
Ausruhen da – diese Feststellung beherzigten die rund 30 Autoren dieses Bandes,
die allesamt bereits in der dritten Lebensphase stehen und auf ein
inhaltsreiches, keineswegs immer problemfreies Leben zurückblicken. Das Leben
hat sie gefordert, zur Auseinandersetzung mit vielen Schwierigkeiten und
Schicksalsschlägen gezwungen, von denen hier berichtet wird. (...) Die Beiträge
regen zur Nachahmung an; man sollte nicht müde werden, einen Ausflug in die
Welt der Poesie und Prosa zu wagen, auch etwas zu Papier zu bringen, auch von
seinen eigenen reichen Erfahrungen mitzuteilen! (...) Mancher 70-Jährige und
80-Jährige mag staunen, welche kreativen Fähigkeiten noch in ihm stecken, von
denen er bislang nichts geahnt hat.“
Zu dieser Anthologie trugen zwei spätere Mitglieder der
Montagswerkstatt mit ihren Texten bei: Elisabeth Anna Bernhardt und Annemarie Fischer.
Drei weitere Senioren traten mit eigenen Büchern an die
Öffentlichkeit (alle drei Senioren Buch-Verlag):
Gustl Laichner, Rentner-Pegasus, 1983
Franz Xaver Paul, Gedichte und Karikaturen, 1983
Else Urbasch, Es ist so still, 1983
Das darauffolgende Jahr, 1984, wurde für den Senioren
Buch-Verlag sehr arbeitsintensiv, denn in ganz Deutschland gab es nichts
Vergleichbares: einen Buchverlag, der sich ausschließlich dem literarischen
Schaffen älterer Menschen widmete. Von
überall her trafen – immer öfter buchfüllende – Manuskripte ein. So gab der
Senioren Buch-Verlag eine ganze Reihe Bücher einzelner Senioren-Autoren heraus.
Willy Neißendorfer, Die Kuh in der Leopoldstraße, 1984
Ludwig Laber, Zeppelin über München, 1984
Jakob Kumberger, Die abenteuerlichen Wege eines
Fünfzigmarkscheines, 1984
Karl Adolf Müller, Was i moan und was i siech, 1984
Annemarie Fischer, Ein altes Haus wird wieder jung, 1984
Christine Fenster, Laddie, 1984
Rudolf Königes, Nicht immer dienstlich, 1984
Franz Xaver Paul, Noch mehr Gedichte und ..., 1984
Charlotte Kleemann-Joppien, Der Wege viel, 1984
Elvira Weber-Klein, Mutig über den Schatten springen,
1984
Maria Leopold, Morli, 1984
Harry Carl Voigt, Die Waschküche, 1984
Einem damals aktuellen und neuen Thema widmete sich die
spätere Montagswerkstättlerin Annemarie Fischer mit ihrem Buch „Ein
altes Haus wird wieder jung“, in dem sie die Geschichte einer
Seniorenwohngemeinschaft beschrieb. Annemarie Fischer kam erst als ihre
Enkelkinder fast erwachsen waren dazu, Geschichten zu schreiben. Die Mitarbeit an
der Anthologie „Nicht müde werden" machte ihr Mut zu diesem ersten eigenen
Buch. Auszüge daraus stellte sie im September 1984 bei den Haidhauser
Büchertagen vor. Im Oktober erschien ein Interview mit ihr im Büchermagazin.
Auch das ZDF stellte sie und einige andere Autoren des SBV in der Sendung
Mosaik vor.
Vor den Haidhauser Büchertagen lasen Autoren des Senioren
Buch-Verlags im Juni beim Sudetendeutschen Tag in München; auch beim 88.
Deutschen Katholikentag München vom 5. – 7. Juli konnten Besucher Texte der
SBV-Autoren hören (Frau Lottenburger, Franz Xaver Paul, Frau Weber-Klein) und
sich am Dult-Stand fachkundig über den Verlag informieren, denn die
Standbetreuung erfolgte durch die Autoren.
Bei diesen Aktivitäten und Terminen merkte die jetzige
Leiterin der Montagswerkstatt, Marie-Luise Grünig-Martin, welch große Bedeutung
das Treffen von Autoren und der Austausch über ihre Arbeit hat und rief ab
November 1984 ein regelmäßiges, monatliches Autorentreffen ins Leben.
Das erste offizielle Treffen der Montagswerkstatt im
Dezember 1984
fand im Münchner Literaturbüro statt und wurde vom damaligen
Sozialreferenten, Hans Stützle, eröffnet. Der Name
Montagswerkstatt wurde gewählt, weil die Autoren jeden
ersten
Montag im Monat zusammenkamen, um sich kritisch mit ihren Texten
auseinanderzusetzen.
Über diese nun offizielle Form der Montagswerkstatt
informierte die Gruppe an einem Stand beim Forum „Senioren fragen – Ärzte
antworten“ im Kongresssaal des Deutschen Museums im Dezember.
*) Der Band ist vergriffen
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