Wie alles begann

Angefangen hat es damit, dass ein paar junge Leute – Andreas Vogt, Charlotte Meukel und  Ernst Anthofer – eine Seniorenzeitung ins Leben rufen wollten. Es sollte eine Gemeinschaftsarbeit von Jung und Alt werden. Gesagt, getan. Ab 1974 erschien die „SeniorenZeitung“ als aktuelles Informationsblatt für ältere Menschen in München mit Beiträgen über Senioren betreffende Sozialpolitik, Veranstaltungen und sonstiges für sie Interessantes. Wie geplant arbeiteten in der Redaktion, bei der Organisation und beim Vertrieb Senioren und das Gründungsteam zusammen.

Im Laufe der Jahre trafen nicht nur Leserbriefe von den Lesern der Zeitung ein, sondern auch Geschichten und Gedichte, eine Veröffentlichung war bei dem geringen Umfang der Zeitung jedoch nicht möglich. 1982 beschloss man, einen Teil dieser Texte nicht weiter in der Schublade verstauben zu lassen, sondern in einer Anthologie zu veröffentlichen. Sie erschien unter dem Titel „Nur ned nachlass’n - Münchner Senioren dichten und berichten“.

Bei der Textauswahl und der Betreuung der Autoren half die jetzige Leiterin der Montagswerkstatt. Der Herausgeber, Andreas Vogt, betonte: „Die Texte der älteren Menschen sprechen eine vieltönige Sprache: Sie berichten von Lebenserfahrung und unbewältigter Vergangenheit, sie sind manchmal fast sarkastisch in ihrer Selbstkritik oder verdeutlichen ungebrochenen Glauben und ein festes Wertgefüge. Manchmal spricht aus denn Zeilen auch nur die Freude, zu erzählen – richtige Märchen entstehen da, typisch für die ‚Oma’ im Schaukelstuhl, die den Kindern etwas erzählt. Mancher mag lächeln über diese Werke, professionelle Lektoren mögen die Manuskripte mit einem müden Kopfschütteln beiseite schieben. Junge Menschen mögen manchen Gedanken, den Senioren hier zu Papier brachten, als ‚veraltet’ oder skurril empfinden. Doch: Alte Menschen sind so. Sie schildern hier selbst ihre Welt, ihre Gedanken und ihre Erlebnisse. Und die SeniorenZeitung hat in diesem Buch bewusst darauf verzichtet, eine literarische Auswahl im Sinne von Kulturkritik zu treffen – denn das haben Siebzigjährige nicht verdient, die ein Leben lang darüber nachgedacht haben, bevor sie zu schreiben begannen.“

Das war etwas völlig Neues, und so schrieb die damalige Vorsitzende des Münchner Seniorenbeirats und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Seniorenvertretungen, Annemarie Zerban, das Vorwort. Darin betonte sie: „Es kommt ganz klar zum Ausdruck, dass besonders glücklich der Mensch ist, der sich an jeder Kleinigkeit des täglichen Lebens freuen kann, für alles Schöne geöffnet ist, und dadurch bewusster lebt.“ Noch ein anderer Punkt war ihr wichtig: „Ich meine: Jeder, ob jung  oder alt, wird durch dieses Büchlein beschenkt und wird das darin finden, was er gerade an Zuspruch braucht. Ausserdem hoffe ich, dass sich viele Senioren anregen lassen, zur Feder zu greifen, um festzuhalten, was sie bewegt oder etwas aus dem reichen Schatz der Erinnerung für die Jugend niederzuschreiben, was für die Alten von morgen richtungsweisend sein könnte.“ Das Echo in den Zeitungen war groß, und so erschien schon drei Monate später eine zweite Auflage. (Der Band ist vergriffen.)

Und die Worte von Annemarie Zerban wurden beherzigt – es kamen noch mehr Manuskripte.

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